16 Tore, zwei Abschiede, viele Tränen | Adler Kids Mannheim


Es war ein Tag, der in die Geschichte des deutschen Eishockeys eingehen wird. Am Freitag, den 23. Februar 2018, sagten Jochen Hecht und Ronny Arendt beim großen Abschiedsspiel vor 11.231 Zuschauern Tschüss. Vielleicht bleibt dieser Tag aber auch ein wenig in Erinnerung, weil am Mittag die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft erstmals in ein olympisches Finale eingezogen ist.

Emotional wurde es in der SAP Arena schon vor dem ersten Bully. Unsere erfolgreichen Olympia-Fahrer, die fest für das Abschiedsspiel eingeplant waren, richteten sich per Videogruß an Jochen und Ronny. Von DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke erhielten die beiden Hauptprotagonisten den Ehrenpokal der Liga. Tosender Applaus brandete erstmals bei den Mannschaftsvorstellungen auf. Namen wie Alexander Serikow, Glen Metropolit, Shawn Belle oder Mike Glumac sind in Mannheim noch lange nicht in Vergessenheit geraten.

Fittere Rovers

Sportlich erwischte das Team Ronny den deutlich besseren Start. Bereits beim 1:0 durch Mike Glumac leistete Ronny Arendt die Vorarbeit, ehe die ewige Nummer 57 wenige Sekunden später auf 2:0 erhöhte. Blake Sloan und Nico Pyka, der mit der Rückennummer „P4“ auflief, in Unterzahl erhöhten vor der ersten Pause auf 4:0. Zu diesem Zeitpunkt saß Belle auf der Strafbank, da er zuvor Jochen Hecht „betatschte”, so die Begründung von Kult-Schiedsrichter Peter Slapke. „Wir machen dann Druck, wenn wir noch Energie in den Beinen haben, und das ist eben am Anfang des Spiels“, hatte Team-Ronny-Trainer Harold Kreis in der ersten Drittelpause am Mikrofon von Web-Radio-Moderator Antti Soramies die Begründung für die hohe Führung parat.

Mit Beginn der zweiten 20 Minuten verwandelte Jochen Hecht, ganz den Regeln entsprechend, einen von Alexander Serikow erarbeiteten Penalty zum 1:4. Mario Gehrig legte schnell das 2:4 nach. Nach dem 5:2 durch Sloan traf Andrew Joudrey nur den Pfosten. Nach Studium der Videobilder erkannte Aushilfs-Schiedsrichter Andi Renz allerdings dennoch auf Tor – 3:5. Erneut Sloan, Ronny Arendt und Mike Glumac sorgten für den 8:3-Zwischenstand zur zweiten Pause.

Verfrühter Start in den Schlussabschnitt

Eventuell begann der Schlussabschnitt 45 Sekunden vor der eigentlichen Sirene. Serikow nutzte diesen Umstand zum 4:8. Till Feser verkürzte im Anschluss auf 5:8. Arendt antwortete aber nur wenig später mit dem 9:5. Auf Zuspiel von Papa Jochen erzielte Philip Hecht das umjubelte 6:9. In den letzten zwei Minuten, in denen noch der 7:9-Endstand fiel, standen schließlich beiden Teams vollzählig auf dem Eis, ehe sich Jochen und Ronny nach der Schlusssirene zu ihrer letzten Ehrenrunde auf den Weg machten.

Blieben bis zu diesem Zeitpunkt die Augen noch großteils trocken, so wurde es spätestens jetzt emotional. Adler-Geschäftsführer Matthias Binder richtete zunächst einige, mit Anekdoten gespickten Worte an Jochen und Ronny. Persönliche Einspieler läuteten letztlich die Bannerzeremonie ein. Während Frank Mauer und Geoff Ward die Laudatio auf Ronny Arendt hielten, sprachen Sana Hassan und Ex-Football-Spieler Tom Nütten, der als Überraschungsgast noch die Arena betrat, einige warme Worte über Jochen Hecht.

Ab unter das Hallendach

„Bei diesen Botschaften ist es schwer, Worte zu finden. Die ganzen Erlebnisse, auf und neben dem Eis, kommen nun wieder hoch. Ein großer Dank gebührt meiner Familie, den Jungs, die die teilweise weite Anreise auf sich genommen haben, um heute hier zu sein. Vielen Dank auch an die Fans, für ihre Reaktionen, in positiven wie in negativen Momenten“, sagte Ronny Arendt unter Tränen.

„Mir fehlen die Worte. Wie zahlreich ihr erschienen seid, um mit uns zu feiern. Es war mir ein Vergnügen, immer für euch auf dem Eis zu stehen. Es war mir eine Ehre, Mannheim in Nordamerika zu vertreten. Es war mir eine Ehre, mit Buffalo in die SAP Arena zu kommen. Mein Dank gilt meiner Familie, meinen Freunden, allen, die heute hier sind und dieses Abschiedsspiel ermöglicht haben“, so ein emotionaler Jochen Hecht.

Unter stehenden Ovationen wurden schließlich die beiden Rückennummern 55 und 57 unter das Hallendach gezogen. Beide werden bei den Adlern nie mehr vergeben. Eine letzte Umarmung, eine letzte Welle und eine letzte gemeinsame Humba mit den Fans beschlossen einen großen Abend der Mannheimer Eishockeygeschichte. Ronny, Jochen: “Ihr seid beide einer von uns!” Danke, Jungs!